Tiziana, Vivian, und welche Rolle spielt eigentlich Louis?

Mit viel Begeisterung und Elan stellte Breinl den Achtklässlern der Lügder Johannes-Gigas-Schule ihr Buch „Graue Wolken im Kopf“ vor. Darin gerät Tiziana, eine kluge, fleißige und in vielen Bereichen engagierte Zehntklässlerin, die auch ihre Zukunft fest im Blick hat, schleichend in eine tiefe Depression. Die Eltern, ihre beste Freundin Vivian und auch sie selbst nehmen die Veränderung  zunächst nicht wirklich wahr. Tiziana vermutet zwischendurch sogar eine völlig andere Ursache für ihre verlorene Merkfähigkeit, die sie zuvor auch bei ihrer Oma erlebt hatte: „Können eigentlich Jugendliche Alzheimer bekommen?“, will sie von ihrer Mutter wissen. Freundin Vivian hingegen vermutet, dass Louis, den die Mädchen im Obdachlosenmilieu kennengelernt haben, Tiziana zu Drogen verführt hat.

Angelehnt an die Erfahrung mit ihrer Tochter, die wie die Protagonistin im Buch im Alter von 16 Jahren an Depressionen erkrankte, schrieb Juliane Breinl diese Buch, in dem es ihr gelingt, ein höchst brisantes Thema für Jugendliche gut verständlich aufzubereiten.
Anfangs ist es noch ein wenig unruhig in der tollen Atmosphäre der Evangelischen Kirche St. Johannis, in der die Schule zu Gast sein durfte, da zurzeit auf dem Ramberg wegen der Umbaumaßnahmen kein geeigneter Raum vorhanden ist. Doch rasch gelingt es der ausgebildeten Sprachtherapeutin auch ohne Mikrofon, ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer in die komplexe Thematik des Buches zu ziehen. Immer wieder unterbricht sie ihre Vorlesepassagen, um zu erklären, Texte zusammenzufassen und die Figuren vorzustellen.

Dass das Thema Depressionen auch in Lügde vorkommt, beweist sich in der sich anschließenden Gesprächsrunde, in denen einige SchülerInnen von ihren oder den Erfahrungen von Freunden und Bekannten mit dieser Krankheit berichten.

Genauso offen erzählt die Wahlmünchnerin, die aus Leipzig stammt und im Alter von 13 Jahren nach Mainz umgezogen ist, von den Erfahrungen mit ihrer mittlerweile 23jährigen Tochter Antonia, die ihrerseits ihrer Mutter für die Realisierung des Buches  grünes Licht gegeben hatte.
Auch ihre emotionale Verbindung zu Lippe gibt Breinl preis: „Meine Kinder sind richtige Lipper! Ich habe während des Studiums in Detmold gewohnt und in dieser Zeit wurden meine beiden Kinder geboren.“
Auf die Frage einer Schülerin: „Wie war das, als Sie erfahren haben, dass Ihre Tochter Depressionen gekriegt hat?“, antwortet sie ehrlich und überzeugend: „Wir haben gedacht: Was haben wir falsch gemacht? Wie soll es werden, wenn sie keinen Abschluss macht? Und auch: Was ist, wenn sie sich umbringt?“ Doch nach einem Jahr hatte Tochter Antonia glücklicherweise ihre Depression überwunden.

Was wird mit Tiziana und welche Rolle spielt denn nun Louis? Ist er wirklich der „böse Junge“, für den Vivian ihn hält? Das lässt Juliane Breinl in dieser und auch in der sich anschließenden Lesung für die Zehntklässler unbeantwortet!

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(Heike Ufkes)


Theaterfahrt der zehnten Klassen zu Anne Frank

Am 22. November 2018 besuchten die beiden Grundkurse Deutsch der 10. Klassen das Stück „Anne Frank – nach dem Tagebuch der Anne Frank“ im Jungen Theater in Detmold. Zuvor war im Unterricht bereits das Tagebuch gelesen worden und einige SchülerInnen hatten auf der Abschlussfahrt nach Amsterdam das Hinterhaus-Versteck der Familie Frank in Amsterdam besichtigt. Die Mädchen und Jungen waren also bestens vorbereitet auf die Aufführung.
In der Wohnzimmer-Atmosphäre des „Jungen Theaters“ gelang es der jungen Schauspielerin Wenja Imlau von der ersten Minute, die ZuschauerInnen in ihren Bann zu ziehen. Sie spielte eine Schülerin im  Jahr 2018, die am ersten Tag in der neuen Schule die Aufgabe gestellt bekommt, ein Referat über Anne Frank zu schreiben. Sie beginnt im Internet zu recherchieren, das Tagebuch zu lesen und wird im weiteren Verlauf des sehr intensiven Stückes immer mehr selbst zu Anne Frank und lässt sich nur gelegentlich und sehr unwillig durch ihr Handy ins Jahr 2018 zurückholen.
Durch die zugleich moderne und doch werkgetreue Umsetzung des Tagebuchs, mit Filmeinspielungen und Interviews von Zeitzeugen und ihr eigenes rasantes Spiel in toller Kulisse fesselte Wenja Imlau mühelos ihr junges Publikum bis zum Schluss der Aufführung.

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(Heikke Ufkes)


„Das ist genauso schlimm, als wenn man selbst etwas tut!“

Jessica Gehres hat genau das erlebt, was sich niemand wünscht: Von der 5. bis zur 7. Klasse  wurde die mittlerweile 29Jährige von ihren Mitschülern drangsaliert und gemobbt; am Ende standen Selbstmordgedanken.
 „Alles, was in dem Buch steht, ist wahr!“ Mehrfach wiederholt Jessica Gehres diesen Satz vor den ca. 200 Fünft- bis Siebtklässlern der Johannes-Gigas-Schule Lügde, die ungläubig die Lesung verfolgen. Von der Mitgliedschaft in der angesagtesten Clique  in der 5. Klasse bis hin zum Opfer derselben ist es nur ein kurzer Weg. Jessica stellt sich gegen ihre Clique, um die gleichaltrige Sina zu schützen, die gerade gequält wird. Damit wird sie das nächste Opfer und zwar in einer Weise, die das junge Publikum erstarren und mit angehaltenem Atem zuhören lässt. Mehr und mehr verliert Jessica ihre  Selbstachtung und das Selbstwertgefühl. Sie schwänzt die Schule, ihre Leistungen verschlechtern sich und niemand schützt sie vor der Clique, die sich immer fiesere Schikanen ausdenkt, übelste Gerüchte in die Welt setzt und letztlich auch vor einer „Hassgruppe“ im Internet nicht Halt macht. Die Lehrer merken nichts oder schauen einfach weg und erst durch ihre Schwester, der sie sich nach fast zwei Jahren Mobbing anvertraut, werden die Eltern informiert und handeln sofort. Jessica wechselt die Schule und die junge Wuppertalerin ist fortan wieder ein fröhlicher Teenager, der gerne zur Schule geht, Freunde findet und wieder gute Leistungen erbringt.
Jessica Gehres, die sich im „Bündnis gegen Cybermobbing e.V.“ engagiert,  hat ihre  schockierenden Erlebnisse in dem Buch „Euer Hass hat kein Gesicht“ aufgeschrieben, um damit Eltern und Lehrer, aber auch Opfer, Mobber und die Mitläufer aufzurütteln und zu sensibilisieren.  Und der großen Gruppe der Mitläufer macht sie klar: „Das Nichteingreifen ist genauso schlimm als wenn man selbst etwas tut!“ An die Lehrer appelliert sie, mehr Feingefühl für ihre Schüler zu entwickeln und auf Mobbing sofort und konsequent zu reagieren: „Klassenkonferenz, Suspendierung oder einen Vortrag vor der gesamten Schule zum Thema Mobbing zu halten, sind Konsequenzen, die ein Täter erhalten kann. Und den Täter rät sie genau zu überlegen, ob sie damit leben könnten, einen Menschen auf dem Gewissen zu haben, der sich wegen ihrer Taten umgebracht hat. Deutliche Aussagen, die nachdenklich und betroffen machen.
Aus der geschundenen Kinderseele ist eine selbstbewusste und fröhliche junge Frau geworden, die die unzähligen Fragen der Kinder mit großer Begeisterung kurz und präzise beantwortet und damit vielen Schüleraussagen Raum gibt.
Möglich geworden war diese Lesung durch die Stiftung „Lippe liest!“ in Verbindung mit dem Detmolder „Buchhaus am Markt“, sodass die Mädchen und Jungen kostenfrei eine Schulstunde erleben durften, deren Inhalt auch für Lügde ein Thema ist und  die ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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(Heike Ufkes)



„Ich habe schon immer gedacht, es wäre cool,
mal ein eigenes Buch rauszubringen.“

Mareike Allnoch liest in der Johannes Gigas-Schule aus ihrem zweiten Roman

„Ich habe nicht den leisesten Schimmer, wovon Ihr sprecht, Meisterin.“ Dies sind die ersten Worte, die der Flaschengeist Dalan seiner „Meisterin“ Jasmin sagt. Das junge Mädchen, das kurz vor dem Abitur steht und sich in ihrer Schule dank ihres sie stets demütigenden Mitschülers Marco alles andere als wohl fühlt, ist völlig überfordert mit der plötzlichen Präsenz eines Flaschengeistes in ihrem Zimmer. Dabei hatte sie ihn zuvor unwissentlich selbst aus seinem Gefängnis befreit, da sie gedankenverloren an der Flasche gerieben hatte. Dalan hatte in ihr seit seinem 21. Geburtstag im Jahr 1848 ausgeharrt und genau auf diesen Moment gewartet. Doch wie soll Jasmin ihrer Mutter den hübschen Kerl in ihrem Zimmer erklären?
Der zweite Roman „Jasmin-Orangenblütenzauber“ der jungen Autorin Mareike Allnoch aus Bad Pyrmont ist eine Adaption der Disney-Verfilmung von „Aladin und die Wunderlampe“. Alle Figuren bekommen bei ihr jedoch eine andere Rolle und die Handlung ist nach Deutschland verlegt. Die schüchtern-sympathische Protagonistin Jasmin erobert das Herz ihrer Leser im Fluge.
Genau das gelang auch Mareike Allnoch bei ihrer Lesung in der Johannes-Gigas-Schule. Nachdem sie bereits vor zwei Jahren ihren Debütroman „Den Sternen so nah“ in der Schule vorgestellt hatte, präsentierte sie nun den ersten Band der geplanten „Jasmin“-Trilogie. Zuerst las die 22Jährige die Einstiegsseiten  vor und beantwortete anschließend ausführlich die vielen Fragen ihrer Zuhörerschaft aus den 8. und 9. Klassen. Einige Schülerinnen schreiben selbst Geschichten und erhielten von Allnoch viele interessante  Informationen. „Ich habe schon mit 14 Jahren angefangen zu schreiben, es aber  nie ganz durchgezogen“, ermutigte sie ihr Publikum, bei Schreibblockaden nicht sofort aufzugeben und ergänzte: „Irgendwann wollte ich mir selbst beweisen, dass ich es hinbekomme.“ Dass ihr das jetzt bereits zum zweiten Mal erfolgreich gelungen ist, hat die junge Schriftstellerin, die gerade ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau abgeschlossen hat, eindrucksvoll in Lügde bewiesen. Seit dem 7. Juli ist das Buch bereits direkt beim Drachenboot-Verlag erhältlich; der Verkauf in den Buchhandlungen lässt noch ein paar Tage auf sich warten. Schon jetzt freut sich Mareike Allnoch auf die Signierstunde auf der Frankfurter Buchmesse, die im Oktober stattfinden wird.

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(Heike Ufkes)