Förderung
Allgemeines Förderkonzept
Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung ist es, ein Schulwesen zu schaffen, in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von seiner Herkunft seine Potenziale und Chancen optimal nutzen und entfalten kann. Dies soll über eine „Individuelle Förderung“ erreicht werden, die zum pädagogischen Grundprinzip aller Schulen in Nordrhein Westfalen werden soll.
Ein Baustein der individuellen Förderung der SuS der Johannes-Gigas-Schule ist der Förderunterricht in den Jahrgangsstufen 5, 6 und 8.

Jahrgangsstufe 5
In der Jahrgangsstufe 5 werden sieben Förderkurse angeboten:
Deutsch-, Mathematik- und Englisch-Förderunterricht für SuS mit Unterstützungsbedarf, Deutsch-, Mathematik- und Englisch-Plus für leistungsstarke SuS.
Zudem wird ein LRS-Kurs angeboten für SuS mit Lese-Rechtschreib-Schwächen.
Zu Beginn des Schuljahres werden die Fördergruppen auf der Basis der Grundschulgutachten und -zeugnisse durch die Klassenlehrer festgelegt.
Zur Feststellung des allgemeinen Sprachstands wird an der Johannes-Gigas-Schule der Cornelsen C-Test durchgeführt, der speziell für die Sprachstandserhebung von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 5 konzipiert ist.
Der Förderbeauftragte der Schule stellt das Material zur Verfügung und die Deutschlehrer der drei 5. Klassen führen den Test, der aus vier Teilen mit je 20 auszufüllenden Lücken besteht, in den ersten Wochen des Schuljahres durch.
Die Auswertung der Testergebnisse erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Schritt werden auf dem Papier alle Testergebnisse der Schülerinnen und Schüler in zwei Kategorien bewertet: Richtig-Falsch-Wert (R/F-Wert) und Worterkennungswert(WE-Wert). Im zweiten Schritt werden die Namen der Schülerinnen und Schüler und die jeweils ermittelten Punktzahlen in das Auswertungstool der beigelegten CD am Computer eingetragen. Das Programm gibt für jede Schülerin / jeden Schüler eine Förderkategorie an, die aus einer Ziffer (1 bis 5) und einem Buchstaben (A bis E) besteht und sprachlich beschrieben wird.
In der Pädagogischen Konferenz der 5. Klassen werden dann die Ergebnisse des C-Tests evaluiert und auf der Basis weiterer Unterrichtsbeobachtungen die SuS den Fördergruppen Deutsch zugeordnet. Analog verfahren die Fächer Mathematik und Englisch.
Zum Festhalten und zur Verschriftlichung der Beobachtungen dienen Schülerbögen, die jeweils für einen Doppeljahrgang (bisher Jahrgangsstufen 5 / 6 und 7 / 8, siehe Anhang) geführt werden.
Auf den folgenden Pädagogischen Konferenzen werden die Einteilungen überprüft und die SuS gegebenenfalls neu zugeordnet. Zusätzlich zu den Schülerbögen wird die Förderzuweisung in den Zeugnissen dokumentiert.

Jahrgangsstufe 6
Wie in Jahrgangsstufe 5 werden auch in Jahrgangsstufe 6 die sieben Förderkurse angeboten. Die Einteilung erfolgt ebenfalls auf den Pädagogischen Konferenzen, die Dokumentation wird auf den Schülerbögen und Zeugnissen fortgeführt.

Jahrgangsstufe 8
In der Jahrgangsstufe 7 werden die SuS in den Fächern Englisch und Mathematik, zu Beginn der Jahrgangsstufe 8 dann im Fach Deutsch in Fachleistungskurse (Grundkurs und Erweiterungskurs) differenziert.
In der Jahrgangsstufe 8 werden im Wahlpflichtbereich II in den genannten drei Hauptfächern Förderkurse angeboten. Diese richten sich vornehmlich an SuS, die Unterstützungsbedarf haben, um einen Verbleib im Erweiterungskurs zu sichern, an SuS, die einen Aufstieg von der Grundkurs- auf die Erweiterungsebene schaffen könnten, aber zusätzlicher Unterstützungsangebote bedürfen und an die SuS, die auch auf der Grundkursebene Förderbedarf haben und bei denen der angestrebte Abschluss gefährdet ist.

Jahrgangsstufe 9
Für die Zukunft, wenn die ersten Sekundarschüler in der Jahrgangsstufe 9 sind, ist angedacht, das Fördermodell des Jahrgangs 8 auch in Jahrgangstufe 9 fortzuführen.

Lernzeit
Im Schuljahr 2016/17 wird die Lernzeit von einer Arbeitsgruppe umstrukturiert. Ziel ist es dabei, die Lernzeit vollkommen zu individualisieren. Geplant ist es, dass jeder SuS das Aufgabenpensum – zum Beispiel mit Hilfe eines Wochenplans – selbst bestimmt. Durch den zeitlichen Freiraum in den Lernzeitstunden sollen die SuS so an ihren eigenen Schwächen arbeiten.

Forder- und Förderunterricht
Die SuS werden von den Fachlehrern in Fächerkurse eingeteilt. SuS mit Lese-Rechtschreib-Problemen haben die Möglichkeit im LRS-Förderunterricht ihre Schwächen auszugleichen.

VIF-Stunden (Vertretung und individuelle Förderung)
Die Johannes-Gigas-Schule verfügt über eine so genannte Vertretungsreserve. Im Falle der Erkrankung oder anderweitiger Verhinderung eines Kollegen ersetzen die Lehrkräfte mit den Stunden ihrer Vertretungsreserve den Unterricht in den betroffenen Klassen. An Tagen ohne Unterrichtsausfall ordnen sich die Lehrkräfte Lerngruppen oder Klassen zu oder fördern SuS mit speziellen Defiziten.

Lerncoaching
An der Johannes-Gigas-Schule wurde im 2. Halbjahr 2009/2010 das Förderkonzept des Lerncoachings eingeführt. Im Rahmen des Lerncoachingswerden jüngere SuS im Bereich des schulischen Lernens von älteren Schülern, den Lerncoaches, individuell unterstützt, begleitet und beraten. Die Lerncoaches stärken die Fähigkeit der jüngeren SuS, ihr Lernen selbständig zu gestalten und mit den eigenen Fähigkeiten reflektierter und effizienter umzugehen. Sie helfen ihnen, ihre Potentiale zu erkennen und damit ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen und bessere Lernergebnisse zu erzielen. Das Lerncoaching  unterscheidet sich von Nachhilfe-Unterricht dadurch, dass die Vermittlung von Lerntechniken und Strategien einbezogen wird.
Bei den Lerncoacheshandelt es sich um SuS der Jahrgänge 9 und 10.

(aus dem Schulprogramm)

Lerncoaches pauken mit jüngeren Mitschülern

Mittagspause. Es ist still im Gebäude der Johannes-Gigas-Schule und nur ab und zu versucht ein Kind, an der Aufsicht vorbei zu seinem Klassenraum zu gelangen, um die Tasche abzustellen oder die vorher vergessene Trinkflasche zu holen. Doch  nicht alle Mädchen und Jungen befinden sich bei schönstem Sonnenschein auf dem Schulhof. Öffnet man die Tür zur Klasse 5a, sieht man drei höchst ungleiche Pärchen an den Tischen sitzen. Jannick Wolff aus der 9a RS unterstützt gerade Constantin Tresca aus der 5a bei den Englisch-Hausaufgaben. Warum Jannick das tut? „Ich brauchte eine sinnvolle Beschäftigung für die Mittagspause“, begründet er seinen Einsatz, „und außerdem ist das für mich eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfung ZP 10, da ich mit Constantin den ganzen Stoff wiederhole.“ Er ist einer von etwa 30 engagierten Lerncoaches aus den 9. und 10. Klassen, die sich freiwillig um die Fünft- und Sechstklässler kümmern. 
Zu Beginn eines jeden Schuljahres bringt die Koordinatorin Ute Schaper den zukünftigen Coaches in einer zweitägigen Ausbildung bei, wie sie mit „ihrem“ Kind umzugehen haben, wie sie die Unterstützung angehen können und welche Schwierigkeiten gelegentlich auftreten können. Doch dann ist sie zur Stelle, um zu helfen: „Wir treffen uns regelmäßig einmal in der Woche, um aufgetretene Probleme zu besprechen. Ganz schlimm ist es für die Lerncoaches, wenn die Kinder den Termin einfach vergessen.“ Wenn erforderlich, wird dann auch mal ein ernstes Gespräch unter sechs Augen geführt.
Wenn alles gut läuft, bleiben Coach und Coach-Kind zwei Jahre zusammen. Die Neuntklässler kümmern sich um die jüngsten Gigasschüler, während die Zehntklässler den Sechstklässler zur Seite stehen.
Constantin findet die Hilfe meistens auch ganz gut und nach kurzem Zögern fällt ihm ein: „Hier kann ich dann die Aufgaben zu Ende machen, die ich in der Lernzeit nicht geschafft habe.“
Steven Born aus der 5c ergänzt ganz entschieden: „Das hilft bei Klassenarbeiten!“ und sein Coach Kim Massolle aus der 9b HS erklärt schlicht und gut: „Jüngeren zu helfen macht Spaß!“  
In der „Gigas-Lounge“ vor den 10. Klassen wird ebenfalls leise gelernt. Unruhiger ist es in der 10a RS, dort spielen die Sechstklässler Alexandr, Jesko und Niklas unter der Aufsicht ihrer Lerncoaches Belana, Teresa und Pia zum Abschluss ihrer Coachzeit noch gemeinsam eine Runde „Vokabelecken“. So bleiben auch die schwierigsten englische Ausdrücke irgendwann hängen.
Zumeist zweimal wöchentlich treffen sich die „Großen“ mit den „Kleinen“, um gemeinsam zu lernen, Defizite aufzuarbeiten oder gar nicht erst entstehen zu lassen, aber auch, um gemeinsam Spaß mit Englisch, Deutsch und Mathe zu haben. Denn der kommt bei all der Lernerei bestimmt nicht zu kurz.
Nach zwei gemeinsamen Jahren fällt so manchem Coach-Kind der Abschied von seinem Lernpartner so schwer, dass bei der Entlassung der Zehntklässler plötzlich auch bei einzelnen Sechstklässler heiße Tränen fließen.

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(Heike Ufkes)


Individuelle Förderung wird an der Johannes-Gigas-Schule großgeschrieben
„Schüler helfen Schülern“ kann man wörtlich nehmen

„Unsere Lerncoaches unterstützen  die Fünft- und Sechstklässler, damit sie in der Schule gut klar kommen und nicht schon in den unteren Jahrgängen Schwierigkeiten bekommen, die dann später viel schwerer auszugleichen sind“, erklärt Ute Schaper. Sie ist seit 2010 zuständig für das Lerncoachprogramm und führt auch die Schulung der neuen ´Schülerhelfer` durch. „Das dauert zwei Tage und ist gerade erst wieder erfolgreich zu Ende gegangen. 29 Neuntklässler stehen ab sofort bereit, gemeinsam mit ihren ´Kollegen` aus dem zehnten Jahrgang den jüngeren Mitschülern zu helfen.“
Nun sollte man meinen, dass all diese Hilfswilligen gar nicht gebraucht würden. Doch weit gefehlt! In einigen Fällen hilft ein Coach sogar zwei Kindern, der Regelfall ist allerdings die Einzelförderung, um individuelle Lernschwierigkeiten am besten beheben zu können.
Ute Schaper weiß warum sich so viel Ältere engagieren: „Es besteht ein sehr hoher Bedarf und das Lerncoachprogramm ist sehr erfolgreich.“  Darüber hinaus wird der ehrenamtliche Einsatz für die Mitschüler auch im Zeugnis vermerkt, sodass die Lerncoaches  bei Bewerbungen einen positiv angesehenen Zusatz  vorweisen können.
Eine Elternumfrage bestätigte genau diesen Eindruck. Viele Eltern betonten, dass sich die Leistungen ihrer Sprösslinge im Zeugnis erkennbar um eine Zensur verbessert hatten. Ein toller Erfolg und viel Motivation zum Weitermachen!

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(Heike Ufkes)